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BPC-157: was der Stoff ist

BPC-157 ist ein synthetisches Pentadecapeptid mit der Sequenz GEPPPGKPADDAGLV und einer Molekülmasse von rund 1419 g/mol. Der Name steht für Body Protection Compound und stammt aus der Forschungsliteratur, nicht aus einer Zulassung. Es ist weder ein zugelassenes Arzneimittel noch ein Nahrungsergänzungsmittel, und die veröffentlichten Arbeiten sind Zell- und Tierversuche.

Was ist BPC-157 chemisch?

Ein Peptid aus fünfzehn Aminosäuren, im Einbuchstabencode GEPPPGKPADDAGLV: Glycin, Glutaminsäure, dreimal Prolin, Glycin, Lysin, Prolin, Alanin, zweimal Asparaginsäure, Alanin, Glycin, Leucin, Valin. Fünfzehn Reste sind der Grund für die Bezeichnung Pentadecapeptid. Die Summenformel ist C62H98N16O22, die Molekülmasse liegt bei rund 1419 g/mol; der Eintrag bei PubChem (CID 9941957) führt beides.

Das Material wird nicht aus einer biologischen Quelle gewonnen, sondern durch Festphasensynthese hergestellt, meist an einem Harzträger Rest für Rest aufgebaut und anschließend chromatographisch gereinigt. Was am Ende in der Flasche liegt, ist ein lyophilisiertes Peptidsalz - kein reines Peptid, sondern Peptid plus Gegenionen aus der Reinigung plus Restwasser aus der Gefriertrocknung. Warum das kein Mangel ist und warum es die zweite Zahl auf dem Zertifikat erklärt, steht im Ratgeber zu Reinheit und Peptidgehalt.

Warum die Masse auf dem Zertifikat der wichtigste Wert ist

Weil sie die Identität prüft und nicht die Menge. Die Massenspektrometrie liefert einen gemessenen Wert, der neben der aus der Sequenz berechneten theoretischen Masse steht, und die beiden müssen im Rahmen der Geräteauflösung zusammenpassen. Ein Angebot, das einen Namen nennt und keine Masse, hat nicht gesagt, welches Molekül es meint.

Bei diesem Peptid kommt eine zweite Verwechslungsquelle dazu. Im Handel taucht neben dem freien Peptid auch ein Arginat-Salz auf, das unter demselben Kurznamen läuft. Salz und freies Peptid sind chemisch unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlicher Masse, und ein Zertifikat, das nur den Kurznamen und eine Reinheit nennt, hat die Frage nicht beantwortet, welches von beiden geliefert wurde.

Woher kommt der Name "Body Protection Compound"?

Aus der Arbeitsgruppe, die die Substanz beschrieben hat. BPC-157 ist als Teilsequenz einer größeren, aus menschlichem Magensaft isolierten Struktur beschrieben worden, die die Autoren "body protection compound" nannten. Der Name ist damit eine Laborbezeichnung aus einer Publikationsreihe, so wie TB-500 oder CJC-1295 Laborbezeichnungen sind.

Das ist ausdrücklich festzuhalten, weil der Name im Handel gern wie eine Eigenschaftsangabe verwendet wird. Er ist keine. Ein Name, den Autoren einer Substanz geben, sagt, welche Hypothese sie untersuchten, und nicht, was die Substanz beim Menschen leistet. Kein Zulassungsverfahren, keine Behörde und keine klinische Prüfung stehen hinter dieser Bezeichnung; sie stammt aus der Überschrift einer Forschungsarbeit.

Dieselbe Vorsicht gilt für die Ziffer. Die 157 ist eine laufende Nummer aus der Forschungsreihe und keine Angabe über Reinheit, Generation oder Qualität, obwohl sie in Angeboten gelegentlich so verwendet wird.

Was sagt die veröffentlichte Literatur - und was nicht?

Die Literatur zu diesem Peptid ist umfangreich und fast vollständig präklinisch. Sie besteht aus Versuchen an Zellkulturen und aus Versuchen an Nagern, überwiegend Ratten und Mäusen, publiziert über rund drei Jahrzehnte und zu einem erheblichen Teil aus wenigen Arbeitsgruppen. Eine aktuelle Übersicht über Literatur und Patente ist frei zugänglich: PubMed 40005999.

Was ein Tierversuch trägt und was nicht, ist keine Meinungsfrage, sondern eine methodische. Er trägt eine Aussage über das untersuchte Modell: dieses Tier, diese Menge, dieser Zeitraum, dieser Endpunkt. Er trägt keine Aussage über einen Menschen. Der Weg von einem Nagermodell zu einer belastbaren Aussage über Menschen führt über kontrollierte klinische Prüfungen, und dieser Weg ist hier nicht zu Ende gegangen.

Es hat einen Anlauf gegeben. Unter der Entwicklungsbezeichnung PL 14736 wurde eine Substanz dieser Reihe von einem Pharmaunternehmen in klinische Prüfungen gebracht; PubMed 17186181 ist eine der Arbeiten aus diesem Programm. Eine Zulassung ist daraus nicht hervorgegangen. Ein eingestelltes oder nicht abgeschlossenes Entwicklungsprogramm ist genau das und nichts weiter; es ist weder ein Beleg dafür, dass etwas funktioniert, noch dafür, dass es das nicht tut.

Diese Seite nennt bewusst keine Indikationen, obwohl die zitierten Arbeiten welche untersuchen. Eine genannte Indikation legt eine Aussage über den Menschen nahe, die die Datenlage nicht trägt, und sie setzt zugleich eine Zweckbestimmung im Sinne des Arzneimittelgesetzes. Wer wissen will, was untersucht wurde, findet es hinter den Links; die Zusammenfassung wäre hier eine Behauptung, die Quelle ist es nicht.

Was ist der regulatorische Status?

In Deutschland und in der Union gibt es für diesen Stoff keine Zulassung als Humanarzneimittel. Er ist in keiner Datenbank zugelassener Präparate zu finden, weder in den Registern des BfArM noch unter den zentral zugelassenen Arzneimitteln der Union. Er ist auch kein Nahrungsergänzungsmittel: die lebensmittelrechtliche Einordnung setzt eine andere Zweckbestimmung voraus, die hier nicht vorliegt.

Ein zweiter Punkt ist für einen Teil der Leser bedeutsam. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat BPC-157 zum 1. Januar 2022 namentlich als Beispiel in Abschnitt S0 ihrer Prohibited List aufgenommen; S0 erfasst pharmakologische Substanzen ohne Zulassung einer staatlichen Gesundheitsbehörde für die Anwendung beim Menschen. Für Sportler unter dem WADA-Code ist das eine unmittelbar praktische Angabe.

Was daraus rechtlich für einen Kauf, eine Sendung oder einen Besitz in Deutschland folgt, ist eine getrennte Frage, und sie wird nicht am Stoffnamen entschieden. Der Ratgeber zur Rechtslage beschreibt den Definitionstest, an dem das hängt.

Warum dieser Name so oft verwechselt wird

Kurznamen aus der Forschungsliteratur sind keine Handelsbezeichnungen mit fester Bedeutung, und in dieser Kategorie hängt daran mehr, als man vermuten würde. Ein anderes Beispiel derselben Sorte ist TB-500: der Name steht sowohl für das vollständige Thymosin beta-4 mit rund 4963 Da als auch für ein kurzes Fragment mit rund 889 Da, ein Unterschied um den Faktor fünf. Bei BPC-157 liegt der Unterschied nicht zwischen zwei Molekülgrößen, sondern zwischen freiem Peptid und Arginat-Salz, was kleiner, aber ebenso real ist.

Hier lohnt sich die Rechnung, denn genau diese Angabe verbirgt das Etikett. Arginin wiegt 174,20 g/mol gegen 1419,53 g/mol des Peptids. Bei einem Äquivalent Arginin sind das 10,9 Prozent der Salzmasse: eine Flasche mit der Aufschrift 5 mg Arginat enthält dann rund 4,45 mg Peptid. Fest steht die Stöchiometrie ohnehin nicht, denn die Sequenz trägt drei saure Reste gegen einen basischen, sodass mehr als ein Äquivalent möglich ist; bei zwei sind es von denselben 5 mg noch rund 4,01 mg.

Das ist der brauchbare Teil daran. Die Stöchiometrie wird selten genannt, das Etikett sagt selten, ob seine Milligramm das Salz oder das Peptid meinen, und zwischen beiden Lesarten liegt etwa ein halbes Milligramm von fünf. Entschieden wird die Frage vom Peptidgehalt im Zertifikat, der eine andere Zahl ist als die Reinheit und weshalb es jenen Ratgeber gibt.

Daraus folgt eine praktische Regel für das Lesen von Angeboten: der Name benennt eine Publikationsreihe, die Sequenz benennt ein Molekül, und nur die Sequenz zusammen mit der gemessenen Masse benennt, was geprüft wurde. Ein Angebot, das ausschließlich mit dem Kurznamen arbeitet, hat die Frage nach der Identität offengelassen, und zwar gleichgültig, wie hoch die daneben gedruckte Reinheitszahl ist.

Dazu kommt die Verwechslung mit der Ziffernfolge in anderen Kurznamen. Zahlen hinter einem Peptidnamen bedeuten in dieser Literatur nichts Einheitliches: mal eine laufende Nummer aus einer Forschungsreihe, mal eine Aminosäureposition, mal eine Präparatenummer aus einem Entwicklungsprogramm. Wer sie als Qualitäts- oder Generationsangabe liest, liest etwas hinein.

Was zur Handhabung des Materials zu sagen ist

Es kommt als Lyophilisat, also gefriergetrocknet, in einer verschlossenen Durchstechflasche. Ein Lyophilisat ist hygroskopisch, und das Wasser, das es aus feuchter Luft an kaltem Glas zieht, ist genau das Wasser, das die Gefriertrocknung entfernt hat. Ungeöffnet wird solches Material kühl und vor Licht geschützt gelagert; in Lösung ist es deutlich weniger stabil als im Pulver, weil sowohl Hydrolyse als auch Oxidation Wasser brauchen.

Mehr dazu - Volumen, Konzentration, Anbruchfristen und die Fehler, die eine Probe still ruinieren - steht im Ratgeber zu Rekonstitution und Lagerung. Dort wird beschrieben, was mit dem Material im Labor geschieht, und nicht, wofür es verwendet würde; diese Trennung ist auf dieser Seite dieselbe.

Wie sollte ein Zertifikat für BPC-157 aussehen?

Ein brauchbares Analysenzertifikat für dieses Peptid beantwortet sechs Fragen, und es beantwortet sie für eine benannte Charge.

  1. Identität. Die gemessene Masse neben der aus GEPPPGKPADDAGLV berechneten theoretischen Masse, mit benanntem Verfahren.
  2. Salzform. Freies Peptid oder Arginat, und welches Gegenion vorliegt. Ohne diese Angabe ist die Massenzeile nur halb zu lesen.
  3. Reinheit. Der Hauptpeak als Anteil an der gesamten erfassten Peakfläche, mit dem chromatographischen Verfahren, und mit den einzelnen Verunreinigungspeaks - nicht nur der Schlagzeile.
  4. Peptidgehalt. Der Anteil des Flascheninhalts, der überhaupt Peptid ist. Eine eigene Bestimmung, und die Angabe, die auf unvollständigen Zertifikaten zuerst fehlt.
  5. Wassergehalt. Restfeuchte des Lyophilisats, üblicherweise per Karl-Fischer-Titration.
  6. Chargennummer, Prüfdatum und Verfahren. Ohne Chargennummer lässt sich das Papier keiner Flasche zuordnen; ohne Verfahren ist eine Zahl kein Ergebnis.

Wie diese Angaben einzeln zu lesen sind, steht im Ratgeber Ein Analysenzertifikat lesen. Zwei Dinge sind dabei besonders zu beachten: ein Zertifikat gilt für eine Charge und nicht für ein Produkt, und ein Dokument, das nur als PDF beim Verkäufer existiert, ist ein Dokument.

Was in Angeboten steht und woran es zu prüfen ist

  • Eine Reinheitszahl ohne Chargennummer. Reinheit gehört zu einer Charge. Eine Zahl, die für ein ganzes Produkt genannt wird, lässt sich mit nichts abgleichen.
  • Ein Name ohne Masse. Der Kurzname trennt weder Salzform noch Molekül. Die Masse tut es.
  • Ein Zertifikat ohne Peptidgehalt. Nicht gefälscht, sondern unvollständig - und die Lücke ist die teurere Bestimmung.
  • Beschreibungen körperlicher Vorgänge. Ein Anbieter, der davon schreibt, hat eine Zweckbestimmung gesetzt. Das ist zuerst ein rechtliches Signal und erst danach ein inhaltliches.
  • Ein einzelnes Zertifikat für viele Artikel. Ein Prüfsystem, das nur seine besten Ergebnisse zeigt, ist keines.

Was die Belege tragen

Die Literatur trägt Aussagen über die untersuchten Modelle. Über den Menschen trägt sie keine, und deshalb stehen die folgenden Aussagen hier nicht:

  • Es wird nicht behauptet, dass dieses Peptid beim Menschen irgendetwas bewirkt.
  • Es wird keine Anwendung, keine Menge, kein Schema und kein Zeitraum genannt.
  • Es wird keine Sicherheitsaussage getroffen. Ohne kontrollierte klinische Prüfungen gibt es keine, weder in die eine noch in die andere Richtung.
  • Es wird kein Reinheitswert als Messergebnis einer bestimmten Charge dargestellt und kein Prüflabor benannt.
  • Es wird kein zugelassenes Präparat als Vergleich herangezogen.

Was bleibt, ist die Beschreibung: ein synthetisches Peptid aus fünfzehn Resten, eine Laborbezeichnung aus einer Publikationsreihe, eine präklinische Literatur, keine Zulassung, und ein Zertifikat, das sechs Fragen beantworten sollte. Wer mehr verspricht, verspricht etwas anderes als das, was gemessen wurde.

Stand: September 2026.

Quellen

Häufige Fragen

Wofür steht die Abkürzung BPC?

Für Body Protection Compound. Das ist die Bezeichnung, die eine Arbeitsgruppe der aus menschlichem Magensaft beschriebenen Ausgangsstruktur gegeben hat, deren Teilsequenz BPC-157 ist. Es ist ein Laborname aus einer Publikationsreihe und keine Angabe darüber, was der Stoff beim Menschen tut.

Welche Sequenz und welche Masse hat BPC-157?

Die Sequenz ist GEPPPGKPADDAGLV, fünfzehn Aminosäuren, die Summenformel C62H98N16O22 und die Molekülmasse rund 1419 g/mol. Diese Werte gehören zum freien Peptid; ein Arginat-Salz hat eine andere Masse, und das Zertifikat muss sagen, welches von beiden geprüft wurde.

Gibt es Studien am Menschen?

Die veröffentlichte Literatur besteht ganz überwiegend aus Zellkultur- und Nagerversuchen. Unter der Bezeichnung PL 14736 hat es ein klinisches Entwicklungsprogramm gegeben, aus dem keine Zulassung hervorgegangen ist. Ein nicht abgeschlossenes Programm belegt in keine Richtung etwas.

Ist BPC-157 in Deutschland zugelassen?

Nein. Für diesen Stoff besteht weder eine nationale Zulassung als Humanarzneimittel noch eine Genehmigung der Union im zentralisierten Verfahren, und er ist auch kein Nahrungsergänzungsmittel. Welche Folgen das für einen konkreten Bezug hat, beschreibt der Ratgeber zur Rechtslage.

Warum steht BPC-157 auf der WADA-Liste?

Weil Abschnitt S0 der Prohibited List pharmakologische Substanzen erfasst, für die keine staatliche Gesundheitsbehörde eine Zulassung zur Anwendung beim Menschen erteilt hat. Der Stoff ist dort seit dem 1. Januar 2022 namentlich als Beispiel genannt.

Woran erkenne ich ein unvollständiges Zertifikat?

Meist an drei Lücken: keine Chargennummer, keine gemessene Masse neben der theoretischen, und kein Peptidgehalt neben der Reinheit. Fehlt zusätzlich die Angabe der Salzform, ist auch die Massenzeile nur halb zu lesen.

Materialien

Ein Analysenzertifikat mit Chargennummer ist die Angabe, an der sich ein Angebot schon vor dem Kauf prüfen lässt.