
Beispielabbildung. Das Etikett zeigt die aktuelle Charge.
Ipamorelin
Synthetisches Pentapeptid mit einer Molekülmasse von 711,9 Da, geliefert als Lyophilisat. Reagenz für Forschungszwecke.
Materialien für Labor- und In-vitro-Forschung. Sie sind keine Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel und keine Medizinprodukte und nicht zur Anwendung bei Menschen oder Tieren bestimmt. Material dieser Art ist ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke bestimmt.
Über dieses Material
Zwei der fünf Reste von Ipamorelin liegen in der D-Form vor. D- und L-Form haben dieselbe Summenformel und dieselbe Masse; ein Massenspektrometer kann sie nicht unterscheiden, und eine Reinheitszahl nach HPLC muss es nicht. Die Stereochemie ist damit die Eigenschaft, über die ein gewöhnliches Analysenzertifikat schweigt.
Woraus dieses Molekül besteht
Ipamorelin ist ein synthetisches Pentapeptid, PubChem CID 9831659, Summenformel C38H49N9O5, Masse rund 711,9 Da. Die Sequenz lautet Aib-His-D-2-Nal-D-Phe-Lys-NH2.
Drei der fünf Reste kommen in natürlichen Proteinen nicht vor: 2-Aminoisobuttersäure am N-Terminus sowie die D-Formen von 2-Naphthylalanin und Phenylalanin. Die Kette endet nicht in einer freien Säure, sondern in einem primären Amid, was in der Schreibweise durch das abschließende NH2 ausgedrückt wird. Jede dieser vier Besonderheiten ist ein eigener Herstellungsschritt, und jede ist eine eigene Gelegenheit, etwas anderes zu erhalten.
Warum die Masse zwei D-Reste nicht bemerkt
D- und L-Aminosäuren sind Spiegelbilder. Sie enthalten dieselben Atome in derselben Zahl und unterscheiden sich nur in der räumlichen Anordnung um ein Kohlenstoffatom. Ihre Masse ist identisch, nicht ungefähr, sondern exakt.
Ein Präparat, in dem D-Phenylalanin versehentlich durch L-Phenylalanin ersetzt wurde, hat deshalb dieselbe Summenformel C38H49N9O5 und dieselben 711,9 Da wie das gewünschte Molekül. Die Massenangabe eines Zertifikats, die bei den meisten anderen Materialien dieses Katalogs die stärkste Auskunft über die Identität ist, leistet hier an dieser Stelle nichts. Sie schließt nur aus, dass ein ganz anderes Molekül in der Flasche ist.
Was die HPLC sieht und was von der Methode abhängt
Ein Peptid, das sich an einem einzigen Zentrum unterscheidet, ist kein Spiegelbild des ganzen Moleküls, sondern ein Diastereomer davon - die übrigen Zentren bleiben ja gleich. Diastereomere haben verschiedene physikalische Eigenschaften und können auf einer gewöhnlichen Umkehrphasensäule getrennt werden. Können, nicht müssen: ob sie es tun und ob der Nebenpeak groß genug ist, um im Chromatogramm aufzufallen, hängt von Säule, Gradient und Sequenz ab.
Eine Reinheitszahl, die aus einem Lauf stammt, in dem die beiden nicht getrennt wurden, zählt das Diastereomer schlicht zum Hauptpeak. Sie ist dann nicht falsch berechnet; sie beantwortet eine andere Frage als die, die der Leser stellt. Was eine solche Zahl leistet, steht im Ratgeber zu Reinheit und Peptidgehalt.
Womit Stereochemie tatsächlich geprüft wird
Nicht am intakten Peptid, sondern nach dessen Hydrolyse an den freigesetzten Aminosäuren. Üblich ist eine Derivatisierung vor der Säule mit einem chiralen Reagenz, klassisch dem 1984 eingeführten Marfey-Reagenz; aus den Enantiomerenpaaren werden dabei Diastereomere, die sich chromatographisch trennen lassen. Einen Überblick über den Stand dieser Methodik gibt eine Übersichtsarbeit von 2021 in Biomedical Chromatography (PubMed 32959901).
Das ist eine gesonderte Bestimmung mit eigenem Aufwand, und sie gehört nicht zu dem, was in diesem Segment üblicherweise beiliegt. Die ehrliche Auskunft lautet deshalb: dass die beiden D-Reste an ihrem Platz sind, ist mit den Standardangaben eines Analysenzertifikats nicht belegt. Wer es belegt haben möchte, muss ausdrücklich danach fragen und damit rechnen, dass die Antwort ausbleibt.
Was ein Zertifikat hier trotzdem leisten sollte
Die gefundene Masse neben der theoretischen 711,9 Da; die Bestätigung, dass der C-Terminus ein Amid und keine freie Säure ist, denn zwischen beiden liegt rund ein Dalton; eine Reinheit nach HPLC mit einzeln aufgeführten Nebenpeaks statt einer Summenzahl; Peptidgehalt und Wassergehalt getrennt; dazu Methode, Prüfdatum, Berichtsnummer und eine Chargennummer, die mit dem Etikett übereinstimmt. Wie ein solches Dokument aufgebaut ist, beschreibt der Ratgeber zum Analysenzertifikat.
Was die veröffentlichte Literatur behandelt
Der Bestand ist klein. Eine Suche nach ipamorelin in PubMed liefert wenige Dutzend Einträge, ganz überwiegend In-vitro-Untersuchungen und Tiermodelle, dazu einige ältere Arbeiten aus der Zeit der Erstbeschreibung in den neunziger Jahren. Peptorium fasst diese Arbeiten nicht zusammen und trifft keine Aussagen darüber, was das Material beim Menschen tut.
Wie der rechtliche Status in Deutschland aussieht
Ipamorelin hat in der Europäischen Union keine Zulassung als Arzneimittel und ist auch kein Nahrungsergänzungsmittel. Über die Einordnung entscheidet auch die Art der Darstellung, weshalb hier keine Anwendungsempfehlung, keine Mengenangabe und keine Aussage über den Menschen steht. Näheres im Ratgeber zur Rechtslage.
Was Peptorium über dieses Material veröffentlicht
Diese Seite veröffentlicht die Identität: Sequenz, Summenformel, berechnete Masse und CAS-Nummer. Das alles lässt sich in einem öffentlichen Register nachschlagen und muss niemandem geglaubt werden. Reinheit, Peptidgehalt und Wassergehalt beschreiben dagegen eine einzelne Charge und nicht einen Stoff. Sie gehören in ein Analysenzertifikat des Labors, das diese Charge geprüft hat, und sie reisen mit dem Material.
Was vor einem Kauf zu fragen ist
- Wird die Konfiguration der beiden D-Reste im Dokument überhaupt erwähnt, und mit welcher Methode?
- Steht die gefundene Masse neben der theoretischen 711,9 Da?
- Ist bestätigt, dass der C-Terminus ein primäres Amid ist?
- Sind die Nebenpeaks einzeln aufgeführt oder nur als Summe?
- Sind Reinheit, Peptidgehalt und Wassergehalt getrennt ausgewiesen?
- Liegt ein Chromatogramm bei, mit Methode und Prüfdatum?
Was nicht bekannt ist
- Ob eine bestimmte Flasche die beiden D-Reste enthält, ist ohne chirale Aminosäureanalyse nicht bekannt.
- Ob ein Diastereomer unter den Bedingungen eines bestimmten Laufs überhaupt getrennt wurde, geht aus einer Prozentzahl allein nicht hervor.
- Die Lagerangaben sind Konvention für Lyophilisate und keine gemessene Eigenschaft dieser Charge.
Häufige Fragen
Warum sieht die Massenspektrometrie den Unterschied zwischen D- und L-Form nicht?
Weil beide dieselben Atome in derselben Zahl enthalten und damit exakt dieselbe Masse haben. Sie unterscheiden sich nur in der räumlichen Anordnung.
Trennt die HPLC ein falsch konfiguriertes Peptid ab?
Möglicherweise. Ein an einem Zentrum abweichendes Peptid ist ein Diastereomer und kann auf einer gewöhnlichen Säule trennen, muss es aber nicht; das hängt von Säule, Gradient und Sequenz ab.
Wie wird die Konfiguration geprüft?
Durch Hydrolyse und chirale Aminosäureanalyse, üblicherweise mit Derivatisierung vor der Säule nach Marfey. Das ist eine eigene Bestimmung und gehört nicht zum üblichen Umfang eines Zertifikats.
Was bedeutet das NH2 am Ende der Sequenz?
Dass die Kette in einem primären Amid endet und nicht in einer freien Carbonsäure. Zwischen beiden Formen liegt rund ein Dalton.
Zum Auflösen des Lyophilisats wird bakteriostatisches Wasser verwendet; das Volumen bestimmt die Endkonzentration, und der Peptid-Rechner rechnet die beiden Größen ineinander um. Eine Mengenempfehlung ist damit nicht verbunden. Material dieser Art ist für Labor- und In-vitro-Zwecke bestimmt, siehe die Forschungserklärung.
Spezifikation
- Name
- Ipamorelin
- Sequenz
- Aib-His-D-2-Nal-D-Phe-Lys-NH2
- Kettenlänge
- 5 Aminosäurereste
- Summenformel
- C38H49N9O5
- Theoretische Masse
- 711,85 g/mol
- C-Terminus
- Primäres Amid
- Form
- Weißes lyophilisiertes Pulver
- Inhalt
- 5 mg je Durchstechflasche
- Löslichkeit
- Wasser, wässrige Lösungen
- Lagerung
- −20 °C, vor Licht geschützt
- Transportstabilität
- Bis zu 30 Tage bei Raumtemperatur
Laborunterlagen
Ein Analysenzertifikat zu Ipamorelin sollte die Reinheit nach HPLC, die gemessene Masse gegen die theoretische und den Peptidgehalt nennen, und zwar für genau die Charge, die auf dem Etikett steht. Peptorium veröffentlicht keine eigenen Laborbefunde.


